München, 23. März 2026 – Seit Jahrzehnten sichern sozial orientierte Wohnungsunternehmen bezahlbaren Mietwohnraum in München. Sie stehen für stabile Mietverhältnisse, Mieten nach dem Kostenmietprinzip, Kündigungsschutz und kontinuierliche Investitionen in den Bestand. Doch dieses bewährte Modell gerät zunehmend unter Druck.
Bei ihrer Frühjahrstagung im Münchner Rathaus machte die Vereinigung Münchener Wohnungsunternehmen (VMW) deutlich: Wohnen ist zum Belastungstest für die Stadt geworden. Die Schere zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten öffnet sich immer weiter. Ein Wohnungswechsel ist für viele Menschen kaum noch finanzierbar. Der sogenannte Lockin-Effekt lähmt den Markt. Haushalte verharren aus Angst vor drastisch höheren Mieten im Bestand, Mobilität und Dynamik gehen verloren.
VMW-Mietenatlas zeigt erneut deutliche Unterschiede
Die VMW hat zum fünften Mal den Mietenatlas ihrer Mitgliedsunternehmen vorgestellt. Er zeigt erneut, wie stark sich die Mieten der sozial orientierten Wohnungsunternehmen vom freien Markt unterscheiden.
Die Durchschnittsmiete in den rund 150.000 Wohnungen der VMW-Mitglieder liegt bei 8,36 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Wiedervermietungsmiete in München liegt bei 19,10 Euro, die durchschnittliche Erstvermietungsmiete sogar bei 21,00 Euro pro Quadratmeter.
Die Mieten der Münchner Wohnungswirtschaft sorgen in der teuersten Stadt Deutschlands für Stabilität und Sicherheit. Doch steigende Bau- und Finanzierungskosten sowie unsichere politische Rahmenbedingungen setzen das Modell der sozial orientierten Wohnungsunternehmen zunehmend unter Druck. Birgit Eckert-Gmell, Vorsitzende der VMW, sagt: „Bezahlbare Mieten sind kein Selbstläufer. Sie beruhen auf einer Unternehmensphilosophie, die Gemeinwohl über Gewinn stellt und auf politischen Rahmenbedingungen, die dieses Modell ermöglichen.“
Fachlicher Konsens: Stabilität braucht Veränderung
In der Diskussion mit Expertinnen und Experten – darunter Prof. Elisabeth Merk, langjährige Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München, Vertretern des ifo Instituts sowie Hans Maier, Verbandsdirektor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen, herrschte Einigkeit: Damit es stabil bleiben kann, muss sich etwas ändern.
Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen appellieren an den neu zu konstituierenden Stadtrat und den Freistaat Bayern: Bezahlbares Wohnen braucht jetzt politische Entscheidungen und eine sichere Finanzierung. Nur gemeinsam lässt sich die dringend notwendige Stabilität am Münchner Wohnungsmarkt sichern.
Die VMW fordert unter anderem: eine gezielte Vergabe knappen Baulands an sozial orientierte Bestandshalter, reduzierte Baustandards, beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine klare Priorität für bezahlbaren Mietwohnungsbau.
Wie kommt man an eine bezahlbare Wohnung in München?
Für Haushalte mit Anspruch auf eine geförderte Wohnung ist das SoWoN-Portal der Landeshauptstadt München der zentrale Zugang. Dort kann ein Antrag auf eine geförderte Mietwohnung gestellt werden. Eine Prüfung, ob man förderberechtig ist, lohnt sich. Die gesetzliche Einkommenshöchstgrenze für eine Familie mit einem Kind liegt aktuell bei 57.100 Euro. Das entspricht einem Jahresbruttoeinkommen von rund 81.600 Euro.
Darüber hinaus entstehen in großen Neubaugebieten wie München-Freiham oder NeuFreimann viele neue Wohnungen, insbesondere durch Wohnungsgenossenschaften, kommunale und kirchliche Wohnungsunternehmen. Dort sind die Chancen auf eine dauerhaft bezahlbare Wohnung am größten.
