Wohnungswirtschaft fordert ganzheitlichen Ansatz bei Elektromobilität
München (11.03.2026) – Die Mobilitätswende entscheidet sich nicht auf der Straße, sondern im Wohnumfeld. Ohne eine flächendeckende, wirtschaftlich tragfähige Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern wird sich Elektromobilität nicht durchsetzen. Darauf macht der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) vor dem Hintergrund der neuen Förderung für Elektromobilität aufmerksam.
Aus Sicht des Verbandes ist die Förderung für Normalverdiener ein wichtiges Signal, greift aber zu kurz. „Die Förderung setzt beim Fahrzeug an. Damit sie ihre Wirkung entfalten kann, braucht es gleichzeitig eine verlässliche und praxistaugliche Förderung für Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus“, sagt Verbandsdirektor Hans Maier. Wenn Normalverdiener auf Elektromobilität umsteigen sollen, müsse die Förderung von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur besser verzahnt werden. „Elektromobilität entscheidet sich im Alltag und der beginnt vor der Haustür“, betont Maier.
Rund 70 Prozent der Wohnungen in Deutschland befinden sich in Mehrfamilienhäusern. Dort fehlt es bislang massiv an Lademöglichkeiten: Weniger als zehn Prozent der Gebäude sind mit Wallboxen oder Ladepunkten ausgestattet. Für viele Mieterinnen und Mieter ist eine verlässliche Lademöglichkeit am Wohnort jedoch Voraussetzung, um überhaupt auf ein Elektroauto umzusteigen.
Warum Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus so komplex ist
Die Wohnungswirtschaft steht beim Ausbau der Ladeinfrastruktur vor besonderen Herausforderungen. Im Bestand sind Tiefgaragen häufig nicht ausreichend elektrifiziert, Netzanschlüsse müssen verstärkt und komplexe rechtliche sowie steuerliche Fragen geklärt werden. Hinzu kommt: Einzellösungen für einzelne Mieter sind teuer und ineffizient. Sinnvoll sind nur ganzheitliche Konzepte für Gebäude oder Quartiere, die Lastmanagement, Abrechnung und perspektivische Nachrüstung mitdenken.
Auch bundesweite Untersuchungen bestätigen diesen Befund. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt, dass die Durchsetzung der Elektromobilität maßgeblich vom Laden zu Hause abhängt.
Elektromobilität braucht praxistaugliche Regeln
Wie solche Lösungen aussehen können, zeigt das Praxisbeispiel der Münchner Energiegenossenschaft Isarwatt eG und der Wohnungsgenossenschaft Wogeno. Dort wird Ladeinfrastruktur schrittweise aufgebaut. Entscheidend ist dabei: bezahlbare Tarife, einfache Abrechnung und Modelle, die Mieter nicht überfordern.
Für den VdW Bayern ist klar: Die neue E-Auto-Förderung kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn Fahrzeugförderung und Ladeinfrastruktur zusammengedacht werden. Förderprogramme für Ladeinfrastruktur müssen so ausgestaltet sein, dass sie für Vermieter und Wohnungsunternehmen im Bestand praktisch nutzbar sind. „Elektromobilität ist eine Gemeinschaftsaufgabe und braucht Rahmenbedingungen, die auch im Mehrfamilienhaus funktionieren“, betont der Verbandsdirektor.
Ergänzendes Statement
Isarwatt eG, Vorständin Claudia Maier
Warum Mieter vom Laden in der Tiefgarage profitieren
Ganz klar: Es liegt am Preis. Schnellladen an öffentlichen Säulen ist bequem, aber teuer. Oft doppelt so teuer wie der normale Haushaltsstrom. Die private Wallbox in der Tiefgarage ist dann attraktiv, wenn sie möglichst günstig betrieben wird. Das bedeutet: Laden über Nacht mit niedriger Leistung, aber dafür zu einem guten Tarif. Man braucht keine Schnellladung – die Fahrzeuge stehen ohnehin viele Stunden am Stellplatz. Wenn wir es schaffen, dafür bezahlbare Lösungen zu bauen, ist das ein echter Vorteil gegenüber der Straße.
