Jungen Genossenschaften fehlt die Perspektive
Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft in München schlägt Alarm: Wegen massiv gestiegener Baukosten und einer unsicheren Förderung gerät der Neubau bezahlbarer Mietwohnungen zunehmend ins Stocken. Besonders betroffen sind junge Genossenschaften mit ersten Projekten. Zugleich ziehen sich bestandshaltende Wohnungsunternehmen zunehmend aus dem Wohnungsneubau zurück. „Damit laufen wir in Gefahr, zentrale Akteure für dauerhaftes, bezahlbares Wohnen in der Landeshauptstadt zu verlieren“, warnt Ariane Groß, Vorstand der GIMA München eG, einem Zusammenschluss von 38 Münchner Wohnungsunternehmen.
Während größere Bestandshalter sich vom Neubau abwenden und sich auf die Modernisierung ihrer Bestände konzentrieren, kämpfen neu gegründete Genossenschaften ums Überleben. Die Umsetzung geplanter Projekte scheitert oft an fehlender Planungssicherheit. Im schlimmsten Fall müssen sich die jungen Genossenschaften wieder auflösen. „Das ist ein Drama für die Genossenschaften und die Stadtgesellschaft“, sagt Birgit Eckert-Gmell, Vorsitzende der Vereinigung Münchner Wohnungsunternehmen (VMW).
Seit dem Jahr 2015 wurden nach Angaben des VdW Bayern 14 Wohnungsgenossenschaften in München gegründet. Stand heute sind von diesen sechs aufgelöst, drei sind noch ohne konkretes Bauprojekt und fünf Genossenschaften haben es bis zum ersten Projekt geschafft. Die Ursache sind fehlende Grundstücke, die gestiegenen Bauzinsen und eine zuletzt schwierige Situation bei der Wohnraumförderung“ erklärt Verbandsdirektor Hans Maier.
Der Druck auf dem Münchner Wohnungsmarkt ist enorm. Durch die sinkenden Neubauzahlen, drängen immer mehr Wohnungssuchende auf den Mietwohnungsmarkt.
„In München stehen 24.000 Haushalte auf der Warteliste für eine geförderte Wohnung. Die Situation wird sich weiter verschärfen, wenn es uns nicht gelingt, das Ruder herumzureißen und wieder mehr Wohnungen zu bauen“, sagt GIMA-Vorstand Thomas Schimmel.
Ohne Förderung kein Neubau
Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft ist auf eine verlässliche Partnerschaft mit Stadt und Freistaat angewiesen. Jahrzehntelang war die Zusammenarbeit das Fundament für den Bau bezahlbarer Wohnungen. Die unsichere Fördermittelsituation in den Jahren 2024 und 2025, kam für die Genossenschaften überraschend. Ohne bezahlbares Bauland und eine planbare Wohnraumförderung ist der Neubau für viele Genossenschaften in München aufgrund der hohen Baukosten aktuell nicht möglich. „Im Augenblick entschärft sich die Situation bei den Fördermitteln etwas“, sagt Verbandsdirektor Maier. Der Freistaat hat die Mittel im geplanten neuen Haushalt leicht aufgestockt und es gibt eine Sondermilliarde für die Wohnraumförderung. Wichtig sei nun, dass diese Mittel auch bei den Genossenschaften ankommen.
Forderungskatalog an Stadt und Freistaat
GIMA, VMW und VdW Bayern richten einen gemeinsamen Appell an die Landeshauptstadt München und den Freistaat Bayern. „Ziel ist es, die Voraussetzungen für dauerhaft bezahlbares Wohnen zu sichern und den sozialen Frieden in der Stadt zu stärken,“ erläutert VMW-Vorstand Ulrich Brüggerhoff. Die Verbände fordern unter anderem:
- Zuteilung von Bauland und Fördermitteln an dauerhaft sozial orientierte Bestandshalter
- Bindungsfristen deutlich über 25 Jahre hinaus
- Beibehaltung der Subjektförderung mit Belegungsbindung im Rahmen der SoBoN
- Aufteilungsverbot auch nach Ablauf der Bindefrist
- Kostenmiete als Maßstab für die Erstvermietung
- Mieterhöhungen orientiert am Verbraucherpreisindex
- Priorisierung des bezahlbaren Mietwohnungsbaus bei Planungsverfahren („Fast Lane“)
- Reduzierung von Standards und technischen Anforderungen auf ein notwendiges Maß (nach Vorbild IFAK-Beschluss)
- Flexible Bauleitplanung und schlanke Bebauungspläne für serielles Bauen
Die Verbände sind sich einig: Der Bedarf an dauerhaft bezahlbarem Wohnraum wird weiter steigen. Eine leistungsfähige, sozial orientierte Wohnungswirtschaft braucht jetzt politische Rückendeckung, Planungssicherheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit.
