Die Wohnungswirtschaft BayernVdW Bayern

Wohnen – Angebote von Frauen für Frauen

Wohnen – Angebote von Frauen für Frauen – so lautete der Titel der Veranstaltung des Netzwerks „Frauen in der Wohnungswirtschaft“ am 20.02.2019 in München im Speisecafè Rigoletto, Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9. Eine Reihe interessierter Frauen aus wohnungswirtschaftlichen Unternehmen, aus Politik und öffentlichen Organisationen fand sich zu dieser ganz besonderen Veranstaltung ein.

Nach einem Initiativvortrag von Frau Prof. Dr. Merk, Stadtbaurätin München, wurde mit den Podiumsteilnehmerinnen Frau Rieke, Stadträtin SPD, u.a. Korreferentin des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, Frau Kürzdörfer, Stadträtin SPD, Planungsausschuss, Frau Gerner, Vorständin der Genossenschaft Frauen Wohnen und Frau Simet, Ministerialdirigentin Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr über die Spezifikas zum Thema Wohnen – Angebote von Frauen für Frauen – diskutiert.

Der Diskussionsbogen erstreckte sich über die Themen – benötigen wir diese Angebote überhaupt? über die Frage nach den Besonderheiten dieser Wohnraumangebote auch im Kontext von Quartiersbildungen bis hin zur Möglichkeit von Fördermodellen.

Einigkeit herrschte bei den Teilnehmerinnen, dass es geschlechtsspezifische Wahrnehmungen und Bedürfnisse gibt und nach wie vor unterschiedliche Randbedingungen für Frauen und Männer.
Als gemeinsames Ziel wurde formuliert, dass die daraus resultierenden verifizierten Spezifika positiv in gendergerechtes Wohnen transportiert werden sollen.

Die Thesen dazu:

1. Sicherheitsaspekte technischer und wirtschaftlicher Art sind für qualitätvollen Wohnungsbau zu berücksichtigen

2. Multifunktionalität ist für verschiedene Bereiche (Grundrissgestaltung und Nutzung) einzufordern

3. Die Wohnungsbauförderung ist zu flexibilisieren und um die Förderung nichtinvestiver Maßnahmen (sozialorientierte Angebote) zu erweitern

4. Alltagstauglichkeit muss zur Planungsprämisse werden

5. Der Freibereich der Gebäude muss als Erweiterung des Wohnraumes begriffen werden

Die Thesen sind nicht unbedingt neu – jedoch aktueller denn je!

Zu diesem besonderen Event war auch muenchen tv vor Ort – hier finden Sie das Video

Hier einige Rückmeldungen zu dieser Veranstaltung:

Bibiana Heine, Leitung Mieterservice, Bayerische Versorgungskammer
Als besonders wichtig und erwähnenswert empfand ich:
• flexible Grundrisse, die auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Lebensformen Rücksicht nehmen
• Wohnen von Frauen für Frauen
• bezahlbarer Wohnraum

Ulrike Klar, Stadtdirektorin
Mir hat der Nachmittag folgendes gezeigt:
Die Stadt München will gendergerecht verschiedene Gruppen im Wohnungsbau fördern.
Die Münchner Mischung ist uns wichtig.
Unser Ziel ist es, eine Wohnungsbauförderung zu ermöglichen, wenn diese erwünscht ist.

Yvonne Außmann, WOGENO:
Ich wünsche mir sehr, dass die Erdgeschosszonen in den Fokus des Genehmigungsgeschehens gerückt werden.
Erdgeschosszonen sind zwar kein Öffentlicher Raum, der von der breiten Öffentlichkeit bespielt werden könnte, hat aber, wenn er sich nach außen öffnen kann, eine ungeheure Wirkung. Er wird zum öffentlichen Wahrnehmungsraum. Und das scheint mir bei einer fraulicheren Architektur enorm wichtig. Frauen treten nach außen, in die Gemeinschaft und beleben so Quartiere. Dafür muss aber die Möglichkeit auch in der Förderlandschaft gegeben werden, dass es diese halböffentlichen Erdgeschosszonen, in allen Förderarten (Wohnwerkstatt…) gibt.
Und auch mir erscheint es wesentlich, dass es keinen Paradigmenwechsel hin zu einer Frauenarchitektur geben sollte. Sondern vielmehr muss es eine alle einschließende Wohnungs- bzw. Quartiersplanung geben, die dem Wunsch nach Vielfalt und Lebendigkeit, die ja Stadtgestaltend sind, Rechnung tragen.

Susanne Gmell, IGEWO:
Ich finde gut, was Frau Merk gesagt hat, dass die Standards für Frauen zu den üblichen Standards werden sollten.

Irmgard Gmell, IGEWO:
Extra Wohnen für Frauen muss eigentlich nicht sein, aber es entsteht wohl ein Bedarf, da Frauen eher allein bleiben (Alleinerziehende, höhere Lebenserwartung).
Bei Frauen in der Wohnungswirtschaft spielen die gleichen Faktoren, wie bei anderen Berufsfeldern eine Rolle: Kinderbetreuung, Emanzipation, familiäres Umfeld und selbstbewusstes Zutrauen.

Dr. Sonja Kienle:
Viele Anforderungen betreffen auch Männer, Frauen jedoch sind aufgrund verschiedener Ursachen vor allem auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen. Besondere Anforderungen sind zudem:
• Stabilität einer günstigen Miete
• Gute Verkehrsanbindung
• Variable Grundrisse
• Abgesicherte Fenster und Türen, gute Beleuchtung
• Austauschplätze

Vorschau: Aufgrund des großen Interesses am Thema wird es im Februar 2020 eine Folgeveranstaltung geben!  Über die  Thesen zum gendergerechten Wohnen wird in der Ausgabe 6/2019 der Verbandszeitschrift wohnen informiert.