Die WohnungswirtschaftBayern

GdW-Präsident Axel Gedaschko zu Besuch bei bayerischen Wohnungsunternehmen

Ende Juli führte die Sommerreise 2019 Axel Gedaschko, den Präsidenten des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen nach Bayern. Auf dem Programm der zweitägigen Informationsreise standen die Stationen Augsburg, Neu-Ulm und München.

Dr. Mark Dominik Hoppe, Hans Maier, Axel Gedaschko und Dr. Kurt Gribl (von links)

In Bayern haben die Kommunen mit unterschiedlichen Herausforderungen rund um das Thema Wohnen und Stadtentwicklung zu tun. Es gibt strukturschwache, ländliche Regionen, die mit Bevölkerungsrückgang zu kämpfen haben und Schwarmstädte wie München und Nürnberg, in denen anhaltendes Bevölkerungswachstum herrscht. Auch Augsburg wächst. In der Friedensstadt gibt es einen hohen Nachfragedruck nach bezahlbarem Wohnraum. Beim Besuch des kommunalen Wohnungsunternehmens Wohnbaugruppe Augsburg informierte sich der GdW-Präsident über die Maßnahmen des Unternehmens und aktuelle Projekte. Im Mittelpunkt des Termins stand ein Pressegespräch mit Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, dem Geschäftsführer der Wohnbaugruppe Augsburg Dr. Mark Dominik Hoppe und VdW Bayern-Verbandsdirektor Hans Maier. Für die 540 neu vermieteten Wohnungen der Wohnbaugruppe Augsburg haben sich 2018 knapp 5.000 neue Interessenten registriert, berichtete Dr. Hoppe. Die große Herausforderung sieht der Geschäftsführer darin, wirtschaftlich zu bauen und die Belastungen für die Mieter in einem zumutbaren Rahmen zu halten. Um dem hohem Nachfragedruck entgegen zu treten, hat die Stadt mit der Offensive Wohnraum Augsburg ein Konzept aufgelegt, mit dem eine Verbesserung und Stabilisierung der Wohnsituation erreicht werden soll. Bausteine sind die Stärkung der Wohnbaugruppe, die Schaffung von Wohnraum für Menschen in besonderen Lebenslagen und die Aktivierung neuer Wohnpotentiale.

„Häuser bauen, Stadt bauen, Gesellschaft bauen“

Ausstellungsbesichtigung bei der NUWOG: Hans Maier, Axel Gedaschko, Andreas F. Heipp und Sabine Krätschmer

Der Titel der aktuellen Ausstellung der NUWOG Unternehmensgruppe skizziert die vielfältigen Aufgaben eines kommunalen Wohnungsunternehmens sehr treffend. Die zweite Station der bayerischen Sommerreise führte Axel Gedaschko nach Neu-Ulm, wo NUWOG-Geschäftsführer Andreas F. Heipp den Besuchern einen Rück- und Ausblick der Stadtentwicklung gab und Vorzeigeprojekte präsentierte. Besonders bemerkenswert für die Gäste: So gut wie alle Projekte der NUWOG aus den letzten Jahren wurden mit dem Deutschen Bauherrenpreis ausgezeichnet bzw. für diesen nominiert. Das veranschaulicht den hohen Anspruch des Unternehmens und die Qualität der geförderten Wohnungen. Bei einer Exkursion zu Wohnanlagen der NUWOG und Baumaßnahmen konnten sich die Besucher selbst ein Bild machen. Aktuell investiert das Unternehmen rund 14,6 Mio. Euro für die Errichtung von 71 bezahlbaren Wohnungen. Bei den Maßnahmen „Alte Stadtgärtnerei“ mit 31 Wohnungen und „Münsterblick“ mit 40 Wohnungen setzt die NUWOG unterschiedliche Bauweisen ein. Beton-Elementbau in der „Alten Stadtgärtnerei“ und die Kombination Elementbau mit Holz und Beton als Hybridbauweise im „Münsterblick“. Im Anschluss an die Projektbesichtigung stand ein gemeinsames Abendessen mit Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg, Sabine Krätschmer der dritten Bürgermeistern der Gemeinde Nersingen sowie Gremienmitgliedern des VdW Bayern zum Austausch über die Stadt-Umland-Gesellschaft DIWOG, in der Landkreisgemeinden und die Stadt Neu-Ulm über die NUWOG kooperieren, auf der Agenda.Bauprojekt "Alte Gärtnerei" der NUWOG

Prinz Eugen Park – Quartier, Wohnen, Nachbarschaft

Der zweite Tag stand im Zeichen von Quartiersentwicklung, innovativen Bauweisen und der Kooperationen von kommunalen Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften. Besucht wurde der Prinz Eugen Park, ein 30 Hektar großes Areal im Osten der Landeshauptstadt München, auf dem gerade rund 1.800 Wohnungen für 4.000 Menschen entstehen. Das Besondere an dem neuen Stadtquartier ist die enge Vernetzung der wohnungs- und immobilienwirtschaftlichen Akteure. Die Wohnungsbaugesellschaften, Wohnungsgenossenschaften, Baugemeinschaften und Bauträger haben sich zu einem Konsortium der Bauherren zusammengeschlossen mit dem Ziel, ein lebendiges und lebenswertes Quartier zu entwickeln. Dabei stehen die Themenfelder Wohnen, Nachbarschaft, Mobilität, Ökologie und Quartier im Vordergrund.

Im südlichen Teil des Prinz Eugen Parks werden von der Landeshauptstadt München mit einer ökologischen Mustersiedlung neue Maßstäbe im Holzbau gesetzt. Ein dort aktives Wohnungsunternehmen ist die GWG München, die ein Wohngebäude in Holzbauweise mit integrierter Kindertagesstätte errichtet. Christian Amlong, Sprecher der Geschäftsleitung der GWG München informierte über die wohnungspolitischen Handlungsprogramme der Landeshauptstadt München, die Grundstücksvergabe und das neue Quartier. Auf städtischen Siedlungsgebieten, so auch im Prinz Eugen Park, sieht der Bebauungsplan 50% geförderten Wohnungsbau vor.

Baufeld der GWG München im Prinz Eugen Park in Holzbauweise

Die 57 Wohnungen und die sechs-gruppige Kindertagesstätte der GWG München entstehen in vier Baukörpern mit Holzbaukonstruktion. Das verbaute Holzvolumen beträgt knapp 1.200 Kubikmeter. Die CO2-Speichermenge des verbauten Holzes liegt bei 1.075.736 kg CO2. Der Wohnungsmix setzt sich aus 40% EOF-Wohnungen, 40% im München Modell und 20 % KMB-Wohnungen zusammen.

Ein Baufeld in der ökologischen Mustersiedlung hat auch der Bürgerbauverein München erhalten. Die junge Genossenschaft wurde 2015 gegründet und baut bei ihrem ersten Projekt 87 Wohnungen in Holzbauweise verteilt auf einem 7-, einem 5- und einem 3-geschossigen Bau. Vorstand André Heuss stellte die Baumaßnahme vor und berichtete über die Erfahrungen mit dem Vergabeverfahren der Landeshauptstadt. Beim Bürgerbauverein München wird das Gemeinschaftliche groß geschrieben. Für die Mitglieder gibt es einen Gemeinschaftsraum, einen begehbaren Dachgarten, eine Hobby-Werkstatt und einen Musikraum. Der Gast aus Berlin war besonders von den Herausforderungen für die jungen Münchner Wohnungsgenossenschaften beindruckt. Genossenschaftsanteile im hohen fünfstelligen Bereich kommen augenscheinlich im übrigen Bundesgebiet eher selten vor.

Weitere Station im Prinz Eugen Park war das Bauprojekt einer Münchner Traditionsgenossenschaft. Die Baugenossenschaft des Post- und Telegrafenpersonals in München und Oberbayern baut 87 Ein- bis Fünf- Zimmerwohnungen. Die Vorstände Ulrich Brüggerhoff und Rainer Arndt führten durch den Rohbau und stellten die Besonderheiten wie eine Nähstube im Erdgeschoss und großzügige Gemeinschaftsräume im Dachgeschoss vor. Teile der Gemeinschaftsflächen stehen – wie auch bei den anderen Projekten – nicht nur der Hausgemeinschaft, sondern dem ganzen Quartier zur Verfügung. Das Quartiersmanagement wird von einer eigens gegründeten Genossenschaft für die Quartiersorganisation betrieben.

Beim abschließenden Business Lunch zeigte der GdW-Präsident großes Interesse für das Geschäftsmodell der genossenschaftlichen Immobilienagentur GIMA. In der GIMA sind 29 Münchner Wohnungsgenossenschaften zusammengeschlossen. Sie bringt verkaufsinteressierte Eigentümer und Wohnungsgenossenschaften zusammen und unterstützt ihre Mitglieder beim Zugang zu Grundstücken für den Wohnungsbau.

„Wohnen gestalten mit Verantwortung. Selbst im Hochpreisgebiet München zeigt die Wohnungswirtschaft, dass es auch anders geht“, lautete das Resümee des GdW.