Die WohnungswirtschaftBayern

Zukunft des bezahlbaren Wohnens – Wohnwende gefordert

Wohnungspolitisches Fachgespräch in Augsburg

Augsburg (29.07.2019) – Wohnungswirtschaft und Kommunen stehen gegenwärtig vor großen Herausforderungen. In vielen deutschen Städten sind bezahlbare Wohnungen Mangelware und eine schnelle Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Über die Zukunft des bezahlbaren Wohnens diskutierten am 29.07.2019 Axel Gedaschko, der Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der Geschäftsführer der Wohnbaugruppe Augsburg, Dr. Mark Dominik Hoppe und VdW Bayern-Verbandsdirektor Hans Maier.

Fakt ist, die Wohnbauziele von Bund und Freistaat werden nicht erreicht. Für die Wohnungsunternehmen gilt es unter oft schwierigen Rahmenbedingungen, schnell bezahlbare Wohnungen zu bauen, für funktionierende Nachbarschaften zu sorgen und den Wohnungsbestand energetisch zu modernisieren.

Wie erleben Wohnungsunternehmen die angespannte Situation auf dem Markt? Für die 540 neu vermieteten Wohnungen der Wohnbaugruppe Augsburg haben sich im Jahr 2018 knapp 5.000 neue Interessenten registriert, berichtet Geschäftsführer Dr. Mark Dominik Hoppe. „Die große Herausforderung für die Wohnbaugruppe Augsburg besteht darin, wirtschaftlich zu bauen, um die Belastung für unsere Mieterinnen und Mieter in einem zumutbaren Rahmen zu halten“, erläutert der Geschäftsführer. Damit dies gewährleistet ist, sei das Wohnungsunternehmen auf ein dauerhaft  angelegtes und verlässliches Förderszenario angewiesen. Eine weitere Herausforderung sei die Knappheit geeigneter Grundstücke.

Hoher Nachfragedruck in Augsburg
Von einem ausgesprochen hohen Nachfragedruck in Augsburg spricht auch Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Dem entgegnet die Stadt mit der „Offensive Wohnraum Augsburg“ mit der durch die Stärkung der Wohnbaugruppe, die Schaffung von Wohnraum für Menschen in besonderen Lebenslagen sowie die Aktivierung neuer Wohnpotentiale eine Verbesserung und Stabilisierung der Wohnsituation erreicht werden soll.

VdW Bayern fordert investorenfreundliche Politik
Aus Sicht der bayerischen Wohnungswirtschaft muss der Wohnungsbau für mehr Akteure attraktiv werden. Ansonsten könne das Ziel von 70.000 Baufertigstellungen jährlich nicht erreicht werden. Eingriffe in das Mietrecht sind für Verbandsdirektor Hans Maier der falsche Weg. Er fordert verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen für die Branche. Dazu zählen auch der Zugang zu bezahlbarem Bauland, eine gesicherte Wohnraumförderung auf hohem Niveau und ein Stopp des Baukostenanstiegs.

Deutschland braucht die #Wohnwende
Für die Anforderungen an das Wohnen in den Bereichen Klimaschutz und Energiewende, altersgerechter Umbau, Quartiersentwicklung und Stadtumbau Digitalisierung sowie Instandhaltung, Modernisierung und Neubau sind bis 2030 bundesweit Investitionen in Höhe von 775 Mrd. Euro notwendig, rechnet GdW-Präsident Axel Gedaschko vor. Ohne ein neu aufeinander abgestimmtes Engagement von Bund, Ländern und Kommunen seien diese Herausforderungen nicht zu stemmen – weder von den Vermietern, noch von den Mietern. „Dafür brauchen wir die #Wohnwende für den Wohnungsmarkt“, betont Gedaschko und skizziert das nötige Maßnahmenpaket: Stadt- und Umlandbeziehungen sollten attraktiver gestaltet werden. Dazu gehöre es, Anbindungen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu verbessern, neue Mobilitätsangebote auch jenseits von Metropolen zu stärken, Infrastrukturangebote in Ankerstädten zu sichern und gegebenenfalls auch Standorte von Einrichtungen der öffentlichen Hand zu verlagern. Darüber hinaus hätten Kommunen und Länder die Daueraufgabe zu bewältigen, mehr Bauflächen zu schaffen, Nachverdichtung und Dachaufstockung anzureizen statt auszubremsen und dem seriellen Bauen bezahlbarer und architektonisch wertvoller Gebäude zum Durchbruch zu verhelfen. Dies alles müsse vom Bund durch Forschungsförderung, neue Förderansätze und eine bessere Ausgestaltung der Bundesgesetze in den Bereichen Bauleitplanung und Baunutzung sowie der Erzeugung und Verwendung dezentraler Energie- und der Steuergesetzgebung flankiert werden.

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