Die WohnungswirtschaftBayern

Forum kommunale Wohnungsunternehmen – Wofür steht die kommunale Wohnungswirtschaft?

Die Wohnungswirtschaft sieht sich aktuell großen Herausforderungen gegenüber. In vielen deutschen Kommunen sind bezahlbare Mietwohnungen Mangelware, deshalb steigt der Druck, schnell für eine Entlastung auf den angespannten Wohnungsmärkten zu sorgen. Doch Bauland ist knapp und teuer, die Baukosten steigen seit Jahren scheinbar unaufhaltsam und der Wohnungsneubau ist ein langfristiger Prozess. Die politischen Rahmenbedingungen schwanken derzeit zwischen Zuckerbrot und Peitsche. Baulandmobilisierung, Baukostensenkung und schnellere Genehmigungsverfahren werden von der Wohnungswirtschaft naturgemäß begrüßt. Sehr skeptisch ist die Branche bei regulativen Maßnahmen, wie dem aktuell in Berlin diskutierten Mietendeckel. Durch das Einfrieren von Mieten werden die Mittel für die nötigen Investitionen beschnitten. Den Zusagen, dass diese Maßnahme nur für fünf Jahre gilt, wird kein Glauben geschenkt.

Bei den wohnungspolitischen Diskussionen wird aus Sicht der Wohnungswirtschaft zu wenig zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern und ihren Geschäftsmodellen differenziert. VdW Bayern-Verbandsdirektor Hans Maier stellte in diesem Spannungsfeld beim Forum kommunalen Wohnungsunternehmen auf Schloss Hohenkammer die zentralen Handlungsmaximen der sozial orientierten Wohnungsunternehmen vor, die sie von anderen Akteuren am Wohnungsmarkt unterscheiden. Die Durchschnittsmiete der sozial orientierten Wohnungsunternehmen liegt regelmäßig unter der ortsüblichen Vergleichsmiete der Kommunen. Die Unternehmen stehen zu ihrer Verantwortung für den sozialen Zusammenhalt und den Schutz des bezahlbaren Wohnens als Element der Daseinsvorsorge. Sie betreiben ein nachhaltiges und generationenübergreifendes Geschäftsmodell und halten ihr Wohnungsportfolio auf einem zeitgemäßen Standard. Bei der Bewirtschaftung sind die sozial orientierten Unternehmen an das Postulat der Wirtschaftlichkeit gebunden: Beim laufenden Geschäftsbetrieb dürfen nicht dauerhaft Verluste entstehen und das Eigenkapital für Investitionen wird selbst erwirtschaftet.

Die kommunalen Wohnungsunternehmen in Bayern sind überzeugt, dass die Preisspirale auf den Mietwohnungsmärkten nur durch eine Ausweitung des Neubaus durchbrochen werden kann und sie übernehmen dafür – bei passenden Rahmenbedingungen – gerne Verantwortung. Den Mietendeckel sehen die Vertreter der kommunalen Wohnungsunternehmen kritisch. Bei den ohnehin günstigen Mieten der freifinanzierten und geförderten Mietwohnungen hängt das Einfrieren der Mieten nicht mit real existierenden Problemlagen zusammen. Die kommunalen Wohnungsunternehmen sind durch ihre fairen Mieten bereits ein starkes Regulativ auf überhitzten Mietwohnungsmärkten.

Podiumsdiskussion

Die Frage, wofür die Wohnungswirtschaft steht, beziehungsweise wie ihre Leistungen und Aufgaben der Öffentlichkeit besser verständlich gemacht werden können, beschäftigte die Teilnehmer, Geschäftsführer von Wohnungsunternehmen, bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Für die Diskussionsteilnehmer steht fest, dass die Wohnungsunternehmen sich regelmäßig bewusst machen müssen, für welche Werte sie stehen – als Branche und lokal als Unternehmen. Dabei wollen die kommunalen Wohnungsunternehmen nicht gegen ihre Gesellschafter, sondern mit ihnen handeln. Fakt ist, die Kommunen und ihre Wohnungsunternehmen sind Partner und starke Verbündete. Nicht nur bei ihrem Einsatz für bezahlbares Wohnen und stabile Nachbarschaften, sondern auch um den großen zukünftigen Herausforderungen wie dem Klimaschutz und der Digitalisierung, Stichwort Smart Cities, zu begegnen. Dafür sind die Unternehmen auf stabile und langfristige Grundhaltungen der Städte angewiesen.

Für Verbandsdirektor Hans Maier ist die zentrale Frage, wie es der sozial orientierten Wohnungswirtschaft gelingen kann, sich in der öffentlichen Wahrnehmung von den Spekulanten abzugrenzen. Viele der erbrachten Leistungen kommen in der Öffentlichkeit einfach nicht an, da sind sich die Teilnehmer einig. Themen wie Stadtentwicklung, stabile Nachbarschaften oder ökologisches Bauen sollten neben der Kernkompetenz bezahlbares Wohnen kommunikativ aktiver besetzt werden. Hier muss die Wohnungswirtschaft künftig verstärkt ansetzen.

Forum kommunale Wohnungsunternehmen des VdW Bayern im Tagungszentrum Schloss Hohenkammer