Die WohnungswirtschaftBayern

Integration: Bayerische Wohnungswirtschaft übernimmt Verantwortung

Neu-Ulm (27.02.2019) – Die Flüchtlingskrise ist scheinbar aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten. Doch für die bayerische Wohnungswirtschaft ist das Thema hochaktuell. Die Wartelisten für Sozialwohnungen in den bayerischen Städten sind lang und bezahlbare Mietwohnungen auf absehbare Zeit Mangelware. Beim Forum Soziale Stadtentwicklung in Neu-Ulm am 27. Februar standen die Themen Wohnraumversorgung, Integration und gelingen-de Nachbarschaften im Fokus.

„Die Mitgliedsunternehmen des VdW Bayern wünschen sich, dass Wohnungsunternehmen Planungssicherheit und einen fairen finanziellen Ausgleich für die Unterbringung und Integration von Migranten erhalten“, sagt Verbandsdirektor Hans Maier. Vor allem die kommunalen und kirchlichen Wohnungsunternehmen, aber auch Wohnungsgenossenschaften übernehmen seit Jahren Verantwortung. Als Beispiele nennt Maier Kooperationsverträge mit Kommunen, Patenschaften und Bauprojekte zum „einfachen“ Wohnen. „Problematisch ist häufig die mangelnde Planungssicherheit aufgrund der unklaren Bleibeperspektive von Flüchtlingen“, stellt Maier klar. Die Wohnungswirtschaft brauche Klarheit auf welche Personengruppen die Planungs- und Integrationsleistungen vornehmlich abzielen sollen. Für den Verbandsdirektor ist das Programm „Soziale Stadt“ der richtige Ansatz für die Integration in den Wohnquartieren. Das Programm müsse auf hohem Niveau fortgesetzt werden. Dabei gelte es die nicht-investiven Komponenten zu stärken.

Integration geschieht vor Ort
Die Bayerische Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer, MdL, ist überzeugt: „Integration kann man nicht von oben verordnen – geschweige denn am grünen Tisch steuern. Integration geschieht im lebendigen Miteinander vor Ort, in den Kommunen, in den Stadtvierteln, in Stätten der Begegnung, der Betreuung, der Bildung, der gemeinsamen Freizeit. Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund findet vor allem in der Nachbarschaft, im Quartier statt. Dabei ist die Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen durch die Gestaltung des Wohnumfeldes und des öffentlichen Raumes, durch öffentliche und private Infrastrukturangebote sowie das Wohnungsangebot essentiell, um Parallelgesellschaften zu verhindern. In Bayern sind wir hier im bundesweiten Vergleich auf einem guten Weg. Neben Maßnahmen wie dem „Staatlichen Sofortprogramm“ als Teil des Wohnungspakts Bayern müssen wir das große Potenzial des Ehrenamts und der integrativen Kräfte in Bayern stärken: Schulen und Kindergärten, Ausbildung und Arbeit, Sport, Kunst und Kultur, Vereine, Kommunen, Kirchen. Zudem leisten Maßnahmen zur Mieterqualifizierung einen zielführenden Beitrag für die Wohnraumvermittlung von Menschen in schwierigeren Lebenslagen.“

Grundstein für integrative Nachbarschaften wird durch ein vielfältiges Wohnungsangebot gelegt
Auch der Geschäftsführer der kommunalen Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft NUWOG, Andreas F. Heipp, betont die Bedeutung der Integrationsarbeit vor Ort: „Neben den Sozialen Stadtgebieten leisten insbesondere Quartiere und Nachbarschaften mit gefördertem Wohnraum Integrationsarbeit.“ Hierbei gelte es die Integrationsfähigkeit der bestehenden Nachbarschaft zu entwickeln und zu fördern. „Wohnungsunternehmen sind bei dieser Aufgabe auf sich gestellt. Eine finanzielle Unterstützung bzw. Förderung ist hier zwingend geboten. Klar ist: Wohnungsmangel werden wir nachhaltig nur durch den Wohnungsneubau beseitigen können“, sagt Heipp. Der Grundstein für integrative Nachbarschaften werde durch eine Vielfalt der Wohnungsangebote und der Qualität im Wohnungsbau einschließlich der Außenanlage gelegt. Die besondere Aufgabe bestehe darin, dies mit einfachen und kostengünstigen Lösungen zu erreichen – dies fängt bereits mit günstigem Bauland an. „Dann hat Integration im Wohnungsbau eine nachhaltige Zukunft“, betont der Geschäftsführer.