Die WohnungswirtschaftBayern

„MAGGIE“: Modernes Wohnen in der Margaretenau

OTH informiert mit der Austauschveranstaltung Klimaneutrale Stadt über Lösungen aus zehn Fachdisziplinen

Das derzeit größte Forschungsprojekt der OTH Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg ist die Sanierung der Margaretenau. 3,4 Millionen Euro Fördergelder fließen in die energetische Modernisierung des Wohnquartiers. An dem Projekt sind mit der OTH Regensburg, der Stadt Regensburg und der Baugenossenschaft Margaretenau drei Partner beteiligt. Im Rahmen einer Austauschveranstaltung informierten die Projektpartner am 9. Februar an der OTH über Lösungen aus 10 Fachdisziplinen für die Margaretenau.

Bei dem Symposium wurden in zehn Mal acht Minuten Impulsvorträge zu drei verschiedenen Themenblöcken präsentiert. Die Schwerpunkte waren die Aktivitäten der Stadt Regensburg im Bereich Energie und Klima, die Sanierung von Wohnquartieren und Wissenschaft und Forschung an der OTH für Effizienz und Nachhaltigkeit.

VdW Bayern Verbandsdirektor Hans Maier berichtete über das genossenschaftliche Bauen und Wohnen. Dabei betonte er, dass die Wohnungsgenossenschaften den satzungsmäßigen Auftrag haben, ihre Mitglieder durch eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnraumversorgung zu fördern und dass der Fokus auch auf einem attraktiven Wohnungsbestand für zukünftige Generationen liege. Die Wohnungsgenossenschaften tragen mit hohen Investitionen maßgeblich zur Realisierung der Klimaschutzziele bei. Als Beispiel für nachhaltige und innovative Lösungen für Wohnquartiere nannte Maier die Münchner Genossenschaft Isarwatt. Gegründet von sechs Wohnungsgenossenschaften bietet die Isarwatt Dienstleistungen in den Bereichen Mieterstrom, Mess- und Abrechnungsdienste sowie Mobilität an.

Bei den anschließenden Fachvorträgen wurde klar, dass Klimaschutz im Gebäudebestand mehr kann als Wärmedämmverbundsysteme an Hausfassaden zu montieren. Die Themen reichten vom solaren Bauen über Wärmelogistik im Quartier bis zu smarten Wohnquartieren. Beim Forschungsprojekt MAGGIE kommen auch die Bewohner zu Wort. Dafür gibt es eine schriftliche Befragung von 340 Haushalten, die im Laufe des Jahres ausgewertet wird. Die Initiatorin der Umfrage, Prof. Dr. Sonja Haug nannte drei Präferenzen von Haushalten aus einer vorangegangenen Befragung: Partizipation, also die Beteiligung an Entscheidungsfindungen, Kostenrelation, Mieterhöhungen werden nur akzeptiert, wenn Strom- und Heizkosten gesenkt werden und schließlich Autarkie. Die Selbstversorgung durch dezentrale Eigenstromversorgung wird als positiv empfunden.

Das Projekt MAGGIE

Forschergruppen aus sechs Fakultäten der OTH Regensburg arbeiten in den nächsten drei Jahren an einer zukunftsfähigen Modernisierung des genossenschaftlichen Wohnviertels Margaretenau in Regensburg. Im Projekt „MAGGIE“ kooperiert das interdisziplinäre Team mit Wissenschaftlern der Universität Bayreuth sowie mit weiteren Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Industrie; zum Konsortium gehören namentlich die Baugenossenschaft Margeretenau eG, die Firmen Franken Maxit Mauermörtel GmbH & Co. und Carnotherm Wärmelogistik GmbH & Co. KG sowie als assoziierter Partner die Stadt Regensburg. Die Forschung der OTH Regensburg wird auch aus der Region unterstützt: TGA Projektierung GmbH, Luxgreen Climadesign Architekturbüro, Kugler + Kerschbaum Partnerschaft Beratender Ingenieure, Energieagentur Regensburg e.V. und die Universität Regensburg bringen ihre Kompetenzen ein.

Warmmiete soll durch Modernisierung nicht steigen

Das Ziel: Eine denkmalgerechte Modernisierung des historischen Stadtteils mit einem völlig neuartigen Energiemanagement-System unter Einbezug eines innovativen solaraktiven Außenputzes und einer neuartigen, hocheffizienten Hybridkombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmepumpen-Technik zur Beheizung, Strom- und Trinkwasserversorgung. Die dadurch entstehenden Einsparpotenziale und die Netzdienlichkeit des Gesamtsystems sollen sicherstellen, dass die Warmmiete für die Bewohner nach der Modernisierung nicht erhöht und so bezahlbares Wohnen garantiert wird. Mit „MAGGIE“ konnte sich die OTH Regensburg Fördergelder des Programms „Solares Bauen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro sichern. Davon gehen 2,3 Millionen an die OTH Regensburg; der Rest geht an die Projektpartner. Koordiniert wird „MAGGIE“ von Prof. Dr. Oliver Steffens, Bauphysik-Experte und Dekan der Fakultät Allgemeinwissenschaften und Mikrosystemtechnik.

Revolutionäre Verputzsysteme und neuartiges Energiemanagement

Das für das Projekt ausgewählte Ensemble des genossenschaftlichen Wohnquartiers Margaretenau besteht aus rund 80 meist zweigeschossigen Wohngebäuden mit 362 Wohneinheiten, deren Ursprünge in die 1920er Jahre zurückreichen. Eines dieser Gebäude soll als Demonstrationsobjekt dienen. Es handelt sich um einen Bau mit 24 Wohneinheiten auf zwei Etagen. Damit die Wohnungen nicht nur von außen, sondern insbesondere auch von innen modernisiert werden können, werden die Hälfte der Genossenschaftsmitglieder dieser Wohnungen vorübergehend in leer stehenden Wohnungen des Quartiers untergebracht. Zurückkehren sollen sie in ein Gebäude, das unter anderem mit revolutionären Verputzsystemen eine bestmögliche Dämmung gewährleistet. Dazu soll ein neuer solaraktiver Putz zur Anwendungsreife gebracht werden, der nach dem Prinzip des Eisbärenfells die Sonneneinstrahlung optimal ausnutzen kann. Für das intelligente Energiemanagement des Gesamtsystems wird außerdem eine Planungs- und Steuerungssoftware entwickelt und zum Einsatz gebracht, welche Verbrauchsdaten sammelt sowie Wetterprognosen und Energiepreise berücksichtigt, um größtmögliche Kosten- und Ressourceneffizienz zu erreichen. Damit können Energieerzeugung, -verteilung und -speicherung in Echtzeit auf den energetischen Bedarf des Ensembles abgestimmt werden – und zwar unter Einhaltung der Wirtschaftlichkeit mit dem Ziel der Mietkostenneutralität.