Die WohnungswirtschaftBayern

VdW im Dialog: Wohnen & Digitalisierung – die gesellschaftlichen Megatrends

Intensiver Austausch, informative Vorträge und sonnige Herbsttage prägten die Fachtagung „VdW im Dialog“ in der Marktgemeinde Reit im Winkl. Folgen der bayerischen Landtagswahl, Anforderungen an energiesparendes Bauen und die fortschreitende Digitalisierung waren nur einige Themen, mit denen sich über 430 Vertretern von VdW-Mitgliedsunternehmen zwischen dem 14. und 18. Oktober befassten.

Verbandsvorsitzender Jörg Kosziol

Nach der Begrüßung durch den neuen Verbandsvorsitzenden des VdW Bayern, Jörg Kosziol und dem Grußwort vom Bürgermeister der Gemeinde Reit im Winkl, Josef Heigenhauser, stand der Montag ganz im Lichte aktueller politischer Entwicklungen. Die Landtagswahl hat die politische Landschaft in Bayern verändert. In Zukunft werden 6 statt 4 Parteien im Landtag vertreten sein. Neben der CSU musste insbesondere die SPD herbe Verluste hinnehmen, profitieren konnten vor allem Grüne und Freie Wähler.

Die Wohnungswirtschaft muss sich auf die zu erwartende Koalition aus CSU und FW sowie die Pluralisierung der bayerischen Parlamentslandschaft einstellen. Den Tenor gab der Verbandsdirektor des VdW Bayern, Hans Maier, in seinem Impulsvortrag vor: „Mehr Wohnung für Bayern – Wir brauchen gute Rahmenbedingungen und einen langen Atem.“ Maier bezeichnete das bezahlbare Wohnen als „Megathema der heutigen Zeit“. In Bayern fehlen nach wie vor hunderttausende Mietwohnungen für Mieter aus der Mitte der Gesellschaft. Der Freistaat hat das Ziel ausgegeben, bis 2025 insgesamt 500.000 neue Mietwohnungen fertigzustellen. Maier sagte der bayerischen Politik hierbei die Unterstützung der Wohnungswirtschaft zu. Er gab jedoch zu auch zu bedenken: „Wir brauchen gesicherte

Verbandsdirektor Hans Maier

Rahmenbedingungen im geförderten und preisgünstigen Wohnungsbau.“ Um Bauherren zu stärken und einer weiteren Verschärfung der Preisspirale bei den Baukosten entgegenzutreten, müsse anhand einer ausreichenden und nachhaltigen Ausstattung der Förderprogramme klar erkennbar werden, dass die Unterstützung für den Wohnungsbau keine politische Eintagsfliege, sondern eine langfristige Konstante der bayerischen Politik ist.

Als Kernanliegen der Wohnungsunternehmen beschrieb der Verbandsdirektor insbesondere den Zugang zu preiswerten Grundstücken, die durch die vermehrte Ausweisung von Bauland erreicht werden könne. Auch der Verkauf von Grundstücken aus öffentlicher Hand im Rahmen von Konzeptvergaben stellt eine Lösung dar. Außerdem sollten Unternehmen, die trotz der hohen Baupreise Verantwortung und Risiken bei Neubau oder Sanierung übernehmen, durch langfristige Steueranreize, wie eine dauerhafte Erhöhung der AfA auf Wohngebäude, gefördert werden. „Langfristige Förderzusagen und dauerhafte steuerliche Anreize sind auch ein klares Signal an die Handwerksbetriebe: Der Aufbau von Kapazitäten lohnt sich wieder!“, unterstrich Maier. Dies könne sich in der Zukunft positive auf den Preis von Handwerksleistungen auswirken. Überlegungen auf Bundesebene, die Mietpreisbremse über die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag hinaus abermals zu verschärfen , sah der VdW-Verbandsdirektor kritisch: „Wohnungsunternehmen brauchen eine stabiles Mietrecht, das einen fairen Ausgleich zwischen Mieter- und Vermieterinteressen schafft.“

An die anwesenden Vertreter der Wohnungswirtschaft appellierte Maier: „Rufen Sie die bereits zur Verfügung stehenden Fördermittel ab!“ So könne der Politik deutlich gemacht werden, dass ein hohes Bedürfnis nach Wohnbauförderung bestehe.

Der Verbandsdirektor betonte, dass die Forderungen der Wohnungswirtschaft nicht ohne ein Versprechen auf Gegenleistung abgegeben würden. „Wir bieten der Gesellschaft und den Kommunen dafür Wohnraum zur Daseinsvorsorge; gerade für jene Mieter die sich am freien Markt nicht selbst versorgen können. Dafür stehen der VdW Bayern und seine Mitgliedsunternehmen.“

Die gesellschaftliche Rolle der Wohnungswirtschaft nahm auch der Präsident des GdW, Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko, während seines Vortrages in den Blick. Unter der Überschrift „Wohnungswirtschaft schafft Heimat“ ging Gedaschko der Frage nach, welchen Herausforderungen sich die Branche in Gegenwart und Zukunft stellen müsse. „Wir brauchen Lust auf Veränderung“, ist sich der GdW-Präsident sicher. Wohnungsunternehmen müssten offen für eine zunehmende Digitalisierung, sich verändernde politische Landschaften und Ansprüche der Menschen sein.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts, Finanzkrise und langanhaltende Boom-Phase, hätte eine Wanderungsbewegung, auch aus dem Ausland, in die Städte und das Umland der Metropolen ausgelöst. „Von Städten wird in Zukunft eine stärkere Integrationsleistung gefordert“, erklärte Gedaschko. Für die Wohnungswirtschaft gelte es jedoch, sich für Stadt, Land und stabile Quartiere gleichermaßen einzusetzen. Hierfür müsse auch weiterhin öffentliche Förderung bereitstehen. Der GdW-Chef bemängelte allerdings, dass Bundesmittel für den Wohnungsbau derzeit oft nicht zielg

GdW-Präsident Axel Gedaschko

erichtet durch die Länder eingesetzt würden, hier müsse durch den Bund nachgearbeitet werden. „Eine Zweckbindung scheitert seit der Föderalismusreform 2006 am Kooperationsverbot des Grundgesetzes. Bayern ist eines der wenigen Bundesländer, das die Mittel tatsächlich immer eins zu eins weitergegeben hat.“

Gedaschko sieht jedoch auch abseits der Wohnbaupolitik große Herausforderungen. „Die Fliehkräfte in der Mitte der Gesellschaft nehmen zu“, mahnte der GdW-Präsident. Populistische Schnellschüsse, die nicht auf pragmatischen Überlegungen aufbauen, sondern sich dem vermuteten Wählerwillen anbiedern, nehmen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in fast allen Parteien zu. Dies gelte für Vorstöße im Mietrecht genauso wie für den Umgang mit Begriffen wie „Heimat“. „Wir dürfen in der Auseinandersetzung mit populistischen Forderungen das Gespräch nicht scheuen und müssen eigene Vorschläge machen“, forderte der GdW-Präsident. „Wo finden wir Heimat? Überall wo Menschen gut und sicher wohnen. Das müssen wir deutlich machen.“

Wolfgang Bosbach suchte in seinem Vortrag ebenfalls einen Ausweg aus dem polarisierten politischen Klima der Gegenwart. Der CDU-Innenpolitiker gehörte mehr als 20 Jahr dem Bundestag an und kennt die Erwartungen der Bürger an die Politik: „Die Menschen wollen nicht wissen, worüber wir streiten, sondern was wir erreichen.“ Bayern sei hier gerade aufgrund seiner stabilen politischen Verhältnisse in der Vergangenheit ein positives Beispiel.

Wolfgang Bosbach

Mit Blick auf die immer schneller voranschreitende Digitalisierung gab der CDU-Politiker den Vertretern der Wohnungswirtschaft einen Rat mit auf den Weg: „Die Steinzeit ist nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen.“ Auch Unternehmen, die heute hoch produktiv arbeiteten, müssten sich schnell und eingehend mit dem neuen Megatrend befassen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

 

Die Vorträge stehen im Mitgliederbereich zum Download bereit: zu den Vorträgen

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Alle Bilder: Klaus D. Wolf