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Innovationsprojekt der GEWOFAG: Wohnen für Alle am Münchner Dantebad

Mit dem Pilotbau des städtischen Wohnungsbausofortprogramms Wohnen für Alle am Münchner Dantebad vereint die GEWOFAG innovative Ideen und eine zügige Umsetzung. In vielerlei Hinsicht ein besonderes Projekt: Am Wintereingang des Dantebads entlang der Homerstraße entstehen derzeit 100 neue Wohnungen. Noch im Oktober wird Richtfest gefeiert und schon Ende des Jahres erfolgt die Fertigstellung des Wohnhauses in Systembauweise mit Stützen aus Beton. Das Besondere dabei: Erstmals in der Geschichte der GEWOFAG entsteht ein Gebäude über einem bereits bestehenden Parkplatz. Insgesamt rund 10 Millionen Euro investiert die städtische Wohnungsbaugesellschaft in das fortschrittliche Neubauprojekt. Die Wohnungsvergabe erfolgt anschließend unter Berücksichtigung einer ausgewogenen Mischung hinsichtlich Geschlecht, Alter und Erwerbstätigkeit.

BAU BEIM WACHSEN BEOBACHTEN

Aufgrund der zügigen Umsetzung kommt es schon während des Baus zu Besonderheiten: Hier können gleichzeitig verschiedene Stadien des Bauprozesses beobachtet werden. Das Gebäude steht auf einer Betonrahmenkonstruktion bzw. einem „Beton-Tisch“ mit einer Stahlbetondecke in Sichtbetonqualität. Während auf der einen Seite noch der Rohbau des Grundstockwerks in der Fertigstellung ist, hat auf der anderen Seite bereits der Holzsystembau für die darüber liegenden Stockwerke begonnen.

BAUWEISE MIT SYSTEM

Beim Bau setzt die GEWOFAG sowohl auf eine Modul- als auch eine Systembauweise. Das hat den Vorteil, dass Bauprozesse wie beschrieben parallel ablaufen können und damit die Bauzeit verkürzt wird. Zudem kann über den hohen Grad an Vorfertigung eine bessere Qualität der Ausführung erzielt werden: Die Außenwände bestehen aus Wandbauteilen in Holzrahmenkonstruktion, die vor Ort als Einzelelemente ankommen und dort eingehoben werden.

Die Bäder werden als Raummodule auf die Baustelle geliefert (inklusive  Fliesen, Sanitärkeramik etc.), ebenfalls mit einem Kran eingehoben und geschossweise eingebaut. Die Treppenhäuser und Laubengänge sind in Massivbauweise aus Stahlbeton hergestellt – aus Brandschutzgründen ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass diese aus nicht brennbarem Material sind.

NEUBAU MIT VIELEN MÖGLICHKETEN

Bild: Florian Nagler Architekten

Bild: Florian Nagler Architekten

So soll das neue Wohnhaus am Dantebad bis Ende des Jahres aussehen: Es besitzt insgesamt fünf Stockwerke, wovon das Erdgeschoss als offenes Geschoss für die Überbauung der Stellplätze notwendig ist. Für die nach Westen orientierten Wohnungen stehen also vier Stockwerke zur Verfügung. Die Funktionsräume sind an den beiden Gebäudeenden angeordnet: Im Erdgeschoss befinden sich dort die Räumlichkeiten für Technik, Müll sowie Fahrräder. Für das nördliche Gebäudeende sind in den Obergeschossen Kellerersatzräume vorgesehen. Im südlichen Gebäudeende sind Gemeinschaftsräume und eine Waschküche zu finden. Neben Treppen führt ein Aufzug zu allen Wohnungen. Das Gebäude wird komplett schwellenfrei errichtet. Vier Wohnungen sind rollstuhlgerecht. Bei Bedarf können weitere Wohnungen so umgerüstet werden, dass sie ebenfalls rollstuhlgerecht sind.

Darüber hinaus entsprechen die Wohnflächen dem Standard des öffentlich geförderten Wohnungsbaus: Die Einzimmerwohnungen beispielsweise sind zwischen 24 und 31 m² groß, einige Rollstuhlappartements verfügen sogar über 43 m².
In jedem Geschoss gibt es einen Gemeinschaftsraum. Das Gebäude wird über Laubengänge erschlossen, die durch Aufweitungen zum Aufenthalt genutzt werden können. Auf dem Dach des Gebäudes werden Frei- und Erholungsflächen für die Bewohnerinnen und Bewohner realisiert. Die hochwertige Gebäudehülle des Neubaus ist auf der Seite zum Dantebad durch eine Lochfassade gekennzeichnet. Auf der Gebäudeseite mit den Laubengängen wird die Fassade horizontal gegliedert. Die einzelnen Parkplätze unter den Wohnungen sollen zum Großteil erhalten bleiben. Das knapp 4.200 m² große Grundstück ist gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden.

PARKPLATZSITUATION

Der Großteil der Parkplätze kann nach Fertigstellung des Gebäudes wieder genutzt werden. Für die Bauzeit steht an der Ecke Homer-/Baldurstraße ein temporärer Anwohnerparkplatz zur Verfügung.

INFORMATION UND EINBINDUNG DER BÜRGER

Trotz der zeitlich engen Rahmenbedingungen hat die GEWOFAG in ihren Planungen auf individuelle Hinweise und Anliegen zum Wohnungsschlüssel reagiert, die aus Anwohner-Informationsveranstaltungen hervorgingen. So werden neben den zunächst geplanten Einzimmerwohnungen nun auch Wohnungen mit 2,5 Zimmern realisiert. Dies trägt zu einer noch ausgewogeneren Mischung in der Bewohnerstruktur bei.

BEWOHNERINNEN UND BEWOHNER

Die Wohnungen werden für berechtigte Haushalte verschiedener Einkommensstufen errichtet, die es auf dem hochpreisigen Münchner Wohnungsmarkt besonders schwer haben. Die Belegung erfolgt über das Sozialreferat (Amt für Wohnen und Migration). Rund die Hälfte der Wohnungen werden über die neue Internetplattform SOWON (Soziales Wohnen Online) vergeben, die im Oktober 2016 startet. Alle registrierten Haushalte können sich für diese Wohnungen bewerben. Die andere Hälfte der Wohnungen ist für anerkannte Flüchtlinge und andere Wohnungslose mit Registrierbescheid vorgesehen. Insgesamt steht bei allen Projekten des Programms eine stabile Bewohnerstruktur an erster Stelle. Das Sozialreferat achtet deshalb auf eine ausgewogene Vergabe der Wohnungen gleichermaßen an Frauen wie Männer sowie unterschiedliche Altersklassen. Alle Mieterinnen und Mieter erhalten einen regulären Mietvertrag.

AUSBLICK

Bild: Florian Nagler Architekten

Bild: Florian Nagler Architekten

Die Parkplatzüberbauung am Dantebad ist das erste Wohnprojekt dieser Art in München. Die Stadt braucht aufgrund der weiter wachsenden Wohnungsnachfrage Innovationsprojekte, die bauliche Maßnahmen neu denken. Am Beispiel der Parkplatzüberbauung am Dantebad wird ein ganz neuer Ansatz lebendig, bereits versiegelte Flächen in mehrfacher Hinsicht nutzbar zu machen. Die GEWOFAG zeigt damit, dass sie den Ansprüchen nach neuen Ideen gerecht wird und gleichzeitig ihrem sozialen Auftrag nachkommt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Durchschnittsmiete liegt bei dem städtischen  Wohnungsbauunternehmen insgesamt bei rund 6,90 EUR pro Quadratmeter.