Die Wohnungswirtschaft BayernVdW Bayern

VdW Bayern Verbandstag 2015 in Coburg

Zum Verbandstag des VdW Bayern am 20. Mai in Coburg konnte der Verbandsvorsitzende Mario Dalla Torre rund 350 Verbandsmitglieder und Gäste begrüßen. Schwerpunktthemen des Verbandstages waren die steigenden Zahlen von Zuwanderern und Flüchtlingen und damit eng verbunden, der wachsende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer verwies in seinem Grußwort auf die große Bedeutung der Wohnungswirtschaft für die Lebensqualität in den Städten. Wie in den meisten bayerischen Ballungszentren sei auch die Lage auf dem Coburger Wohnungsmarkt angespannt.

Anspruch an Wohnen und Bezahlbarkeit – Mit falschen Erwartungen in die Zukunft?

Vdw Verbandstag 2015 in Coburg Foto: Andreas Heddergott

GdW-Präsident Axel Gedaschko
Foto: Andreas Heddergott

GdW-Präsident Axel Gedaschko stellte zu Beginn seines Vortrags klar, dass man die Zuwanderung nach Deutschland auf keinen Fall nur auf die aktuelle Flüchtlingswelle reduzieren darf. In den letzten Jahren hätte sich das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland sehr positiv verändert. „Der wirtschaftliche Erfolg zieht Menschen an“, so Gedaschko und appellierte, die Zuwanderung als Chance zu sehen. Entscheidend sei nun der Umgang mit den Menschen. In den 1990er Jahren habe der Staat die Kommunen bei der Integration zu sehr sich selbst überlassen. Jetzt habe er die Chance aus den damaligen Entwicklungen – Stichwort „überforderte Nachbarschaften“ zu lernen. Deshalb sollte sich die gesellschaftliche Debatte nicht nur auf die Erstaufnahme von Flüchtlingen begrenzen, sondern die Menschen sehen, die das Bleiberecht erhalten und zu Nachbarn werden. In diesem Zusammenhang forderte der GdW-Präsident staatliche Unterstützung für ehrenamtliches Engagement und die nötigen Haushaltmittel dafür.

An dieser Stelle spannte der GdW-Präsident den Bogen zu seinem Vortragsthema. Denn der aktuelle Wohnungsbedarf in vielen Regionen entspreche nicht den Wohnungsmarktprognosen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die noch 2010 von einer massiven Schrumpfung ausgegangen waren. Heute würden bereits 500.000 Wohnungen fehlen und auch diese Zahl sei bei einer Zuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr schnell wieder veraltet.

Dabei müsse man die Frage stellen, ob sich die Menschen, die neu gebauten Wohnungen überhaupt noch leisten können. Gedaschko sprach von einer Dramatik der Verteuerung bei den Baukosten. Zwischen den Jahren 2000 und 2014 seien diese um 40 Prozent gestiegen. Eine Zahl, die keinesfalls die Einkommensentwicklung in diesem Zeitraum widerspiegelt. Als größten Kostentreiber nannte er den Staat der durch die Vergabe von Bauland zu Höchstpreisen, Änderungen im Steuerrecht, technischen Normen bei den Baustandards und den energetischen Anforderungen kräftig an der Preisspirale geschraubt habe.

Um einen Ausweg aus dieser Situation zu finden, forderte Gedaschko eine allgemein verständliche Wohnungsbau-Strategie mit den folgenden Inhalten:

  • Die schnelle Verfügbarkeit von Grundstücken mit gestrafften Genehmigungsverfahren und Konzeptvergaben.
  • Abschreibungsbedingungen, die der technischen Realität entsprechen.
  • Maßnahmen zur Begrenzung der Baukosten

Zeitenwende – Europas Rolle in einer veränderten Welt

Markus Gürne Foto: Andreas Heddergott

Markus Gürne
Foto: Andreas Heddergott

Den Blick der Zuhörer zu weiten und andere Perspektiven aufzuzeigen hatte sich Markus Gürne, der Leiter der ARD-Börsenredaktion für seinen Vortrag vorgenommen. Gürne zeigte auf, dass die großen aktuellen Krisen, wie die Ukraine-Krise, der Zerfall des Nahen Ostens und die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands nicht getrennt, sondern miteinander betrachtet werden müssten. Sein Fazit: Politik, Wirtschaft und Finanzmärkte stehen in einem engen Zusammenhang.

 Politischer Rechenschaftsbericht

Verbandsdirektor Xaver Kroner zeigte sich sehr zufrieden mit der Entwicklung des letzten Jahres. „Die Verbandsmitglieder haben mit Investitionen von 1,3 Mrd. Euro und dem Bau von 2.000 Mietwohnungen die Erfüllung ihrer sozialen Verantwortung unter Beweis gestellt.“ 1.520 Wohnungen waren öffentlich gefördert, ein Anstieg von mehr als dreißig Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Dabei betrage die Durchschnittsmiete bayernweit 5,56 Euro.

Seit dem letzten Verbandstag in Berchtesgaden sei es gelungen, drei wichtige Forderungen der Wohnungswirtschaft durchzusetzen und damit weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zu erreichen: Die Vergabepflicht nach VOB/A im öffentlich geförderten Wohnungsbau ist nicht mehr zwingend vorgeschrieben, Bewegung beim Thema Stellplatzsatzungen, die im geförderten Wohnungsbau zunehmend kritisch hinterfragt werden und neue Wege bei der Konzeptvergabe von Grundstücken in einigen Kommunen. All das habe schließlich dazu geführt, dass auch in 2014 die sogar um fünfzig Millionen Euro erhöhten Wohnraumfördermittel von den bayerischen Wohnungsunternehmen abgenommen und in Neubau umgesetzt worden sind.

Verbandsdirektor Xaver Kroner Foto: Andreas Heddergott

Verbandsdirektor Xaver Kroner
Foto: Andreas Heddergott

„Die Wohnungswirtschaft steht zu ihren Zusagen“, bekräftigte der Verbandsdirektor. Doch um die laut Staatsregierung 3.000 bis 5.000 nötigen Wohnungen für Flüchtlinge zu bauen, brauche die Branche eine weitaus größere staatliche Förderung. Die bestehenden Fördermittel seien 2015 bereits in den ersten vier Monaten abgerufen worden. Deshalb sei eine Erhöhung der Fördermittel dringend erforderlich. Um die staatlichen Ziele zu erreichen, seien Fördermittel von 450 bis 750 Mio. Euro notwendig. Darüber hinaus müssten Zuschussprogramme eingeführt werden. Doch selbst wenn diese Mittel zur Verfügung stünden, hätte die bayerische Wohnungswirtschaft nicht die Kapazitäten, um 5.000 zusätzliche Wohnungen zu bauen. „Wir können nicht auf Knopfdruck umstellen“, betonte Kroner. Der Wohnungsbau müsse auch für andere Investoren wieder attraktiver werden, doch hierfür brauche es Instrumente wie die Wiedereinführung der degressiven Afa und die genannten staatlichen Zuschüsse.

Unter Verweis auf die schwierige Situation bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Auswanderern in den 90er Jahren appellierte Kroner an alle politisch Verantwortlichen, die Fehler von damals zu vermeiden. „Machen wir keine Sonderförderprogramme, die ausschließlich für die Gruppen der Zuwanderer bestimmt sind“, sagte Kroner. Das Hochfahren der normalen Wohnraumförderung gepaart mit Vorbehaltsquoten sei der bessere Weg.

Zum Abschluss kam der Verbandsdirektor noch auf die besonders drückenden Probleme zu sprechen. Neben der Höhe der Fördermittel gehe es auch um die Qualität der Förderung. In den strukturschwachen bayerischen Räumen müsse auch das Thema Abrissförderung angegangen werden. „Wir brauchen dort  dringend Ersatzneubau, auch um den Menschen eine Perspektive beim Thema Wohnen zu bieten“, so Kroner. Das größte Problem stelle aber nach wie vor die Entwicklung der Baukosten dar.

Foto: Andreas Heddergott

Foto: Andreas Heddergott

Bezahlbares Wohnen: Der Staat muss die Weichen stellen

In ihrer Entschließung fordern die Verbandsmitglieder den Staat deshalb dazu auf, die Weichen für mehr bezahlbaren Wohnungsbau auf allen Ebenen richtig zu stellen. Angesichts der ohnehin schon hohen Baukosten, sollen vor allem die energetischen und sonstigen Baustandards nicht noch weiter verschärft werden. Die Kommunen müssten das Wohnen zur Chefsache machen und mit Grundstückspolitik und dem Spielraum bei den Stellplatzvorgaben zur Baukostenreduzierung beitragen.

 

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